ITU-Langdistanz WM auf Ibiza, 11.5.2003

Platz 4 bei einer WM aber trotzdem unzufrieden!
Bericht von Christoph Steurenthaler

  Am Dienstag vor dem Rennen begann die Reise nach Ibiza. Ich stieg in
  Frankfurt bei schwül-warmen 26 Grad in den Flieger und kam nach 2 Stunden Flugzeit
  bei 14 Grad und starkem Regen auf Ibiza an. Das fing schon mal gut an. Es
  regnete die ganze Nacht durch.
  Am nächsten Tag, Mittwoch, fuhren wir mit Hannes die Wettkampfstrecke mit
  dem Rad ab. Es stürmte heftig und wir hatten auf dem Rückweg nach Ibiza sehr zu
  kämpfen. Zum Glück blieb es trocken. Doch wenn es beim Wettkampf auch solche
  Bedingungen haben sollte, würde die Radstrecke ein echter Prüfstein werden.
  Es war eine 60 Kilometerschleife, die zwei mal zu fahren war. Sie führte
  durch die schöne, abwechslungsreiche Landschaft Ibizas. Ein vier Kilometer langer
  Anstieg war zu erklimmen.
  Nach der Radausfahrt liefen wir noch einen Teil der Laufstrecke ab. Und auch
  hier mußten wir gegen den Wind anrennen.
  Zum Glück beruhigte sich das Wetter im Laufe der Nacht. Donnerstag zeigte
  sich der Himmel mal bewölkt, mal schien die Sonne. Wir fuhren mittags mit dem
  Bus zur Expo, der Triathlonmesse. Es gab dort nicht viel zu sehen, denn die
  Aussteller, sofern sie nicht von der Insel kamen, mussten ihre Ware nach Ibiza
  einfliegen.
  Freitag schauten wir uns die Stadt Ibiza, in der Landessprache heißt sie
  Eivissa, an und schlenderten durch die engen Gassen. Die Altstadt mit ihrer
  Festung aus der Zeit der Phönizier ist einen Rundgang wert. Insgesamt muß ich
  sagen hat die Insel außer vielen Stränden nichts anderes zu bieten.
  Erholen und Kraft sammeln für den Wettkampf am Sonntag war in den Tagen
  angesagt.
  Samstag mußten die Räder eingecheckt werden. Und dann war es endlich soweit.
  Der Abend vor dem großen Ereignis war da. Das letzte Abendessen und eine
  aufgeregte Nacht mit wenig Schlaf standen bevor.
  Um 4.30 Uhr klingelte der Wecker. Frühstücken, dann die nötigen
  Wettkampfutensilien in Tüten zur Wechselzone schaffen und das Rad mit Getränkeflaschen
  präparieren. Ich war mega aufgeregt.
  Um 7.30 Uhr erfolgte der erste Start, die Elitefrauen. Die nächste
  Startwelle waren die Elite-Männer und dann waren die jüngeren Altersklassen dran. Hält
  die Brille beim Sprung ins Hafenbecken? Ja, sie hielt und ich schluckte auch
  nur wenig Salzwasser. Wir mussten eine 4 Kilometerschleife im Hafenbecken
  schwimmen. Es lief auch sehr gut und ich war hocherfreut, als ich beim
  verlassen des Wassers auf dem Weg zum ersten Wechsel auf die Uhr blickte: Unter einer
  Stunde geschwommen. Ausgezeichnet!!!
  Neo aus, Startnummernband an, Helm und Brille auf und dann ab zum Rad. Ich
  konnte auch gleich Gas geben und sammelte einen schnelleren Schwimmer nach dem
  anderen ein. Schon bald hatte ich die einzige deutsche Profifrau, Wenke
  Kujala, eingeholt und überholt. Katja Schuhmacher hatte auch gemeldet und stand
  auf der Startliste, sie war aber ohne Begründung nicht erschienen.
  5 Kilometer vor Ibiza kam mir die geballte Ladung der Profis schon wieder
  entgegen und an der Spitze fuhr Farris Al-Sultan. Ich hatte also schon ein
  wenig Rückstand zur Spitze=0). Auf meiner zweiten Radrunde gingen mir die
  Getränke aus und die nächste Verpflegungsstation war noch ein gutes Stück entfernt.
  Langsam wurden die Oberschenkel hart. Den Berg kletterte ich noch gut hoch
  und bog Richtung Ibiza ab. Und endlich erreichte ich die nächste
  "Provison-Area".
  Nach 3:09h hatte ich die 120 Radkilometer hinter mich gebracht und stürmte
  wieder in die Wechselzone. Die zweite Radrunde war ich noch deutlicher
  schneller gefahren als die erste. Super Zwischenergebnis.
  Helm ab, Mütze auf, Socken und Schuhe an und los gings auf die 3 Laufrunden.
  Am Hafen entlang bis zum Leuchtturm, Wendepunkt und das ganze zurück und
  wieder an den schönen Jachten entlang Richtung Stadt, dort zum nächsten
  Wendepunkt und dann zurück zu Start und Ziel. Die Sonne brannte vom Firmament und es
  gab auf der gesamten Laufstrecke kein bisschen Schatten. Die erste Runde lief
  ich in knapp über 40 Minuten und hatte ein sehr gutes Gefühl. Noch!!! Denn
  nach weiteren 6 Kilometern wurden die Beine immer schwerer und ich fühlte
  mich, als hätte ich Kaugummi an den Sohlen. Hätte ich auf dem Rad nicht so viel
  Tempo machen sollen, früher auf der Laufstrecke ein Gel essen sollen oder die
  ersten 10 Kilometer langsamer angehen sollen? Hätte wenn und aber, ich kam
  nach einer ganz enttäuschenden Laufleistung und Laufzeit nach 6:32h ins Ziel.
  Das bedeutete den 4. Platz in der TM20 und in der Gesamtliste einen Platz
  unter den ersten 100. Immerhin habe ich den Rückstand zur Spitze um gute 10
  Minuten reduziert. Und wäre ich auf der Laufstrecke nicht so geplatzt und hätte
  die guten Schwimm- und Radleistungen auch aufs Laufen übertragen, wäre sehr
  viel mehr möglich gewesen. Aber wie gesagt, hätte wenn und aber...
  Mein Fazit also: Ibiza ist keine Reise wert und die WM verlief einigermaßen
  erfolgreich, abgesehen von der Laufleistung. Die Enttäuschung ist schon groß,
  ich hatte mir mehr erhofft.
 
 
 
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