Embrunman 2004- Eine Quälerei ganz besonderer Art
Von Stephan Schweiger

Am 15.08 fand in Mitten der Französischen Hochalpen, vor malerischer Kulisse der Embrunman statt. Er ist nach Nizza und Gerardmer die drittgrößte Langdistanz in Frankreich und gleichzeitig wohl eine der härtesten Langdistanzen der Welt. Dieses Jahr nahmen ca. 700 Athleten die Distanz von 3,8 km Schwimmen, 185 km Rad und 42,195 km Lauf in Angriff, von ihnen kamen 442 ins Ziel. Die Siegzeit lag bei 10.02.43 h von Rubio Felix Javier Martinez aus Spanien, Der mit 8 min Vorsprung vor Francois Chabaud (letztes Jahr 3. in Hawaii) gewann. 

Auch ich konnte den Wettkampf nach einigen Querelen um meinen Start erfolgreich in 14.19.57 h beenden. Das bedeutete gleichzeitig Platz 230 in der Gesamtwertung, damit war ich total zufrieden. An dieser Stelle vielen Dank an Herrn Roller vom RTV, der mir Innerhalb von 12 Stunden einen Startpass ausstellte und an Jean Pierre Saure ein französischer Triathlet der mich bei den englisch, französischen Diskussionen um meinen Start tatkräftig unterstützte.

Der Wettkampftag begann für mich um 3.30h (nachts) als mich eine SMS mit Glückwünschen für den Wettkampf 20 min vorzeitig aus dem Schlaf riss (Danke Christoph S.). Pünktlich um 6.00h erfolgte dann im Dunkeln der Nacht der Startschuss (Helle Gläser in der Schwimmbrille währen gut gewesen). Gestartet wurde auf französische Art, das bedeutet, man rennt ca. 100m in den See und schlägt und tritt dann im Wasser so viele Menschen wie möglich. Nach 1.14 h strandete ich dann am Seeufer (das war nicht schlecht für ca. sechsmal schwimmen dieses Jahr) und nahm dann den wohl schwierigsten Part am Embrunman in Angriff. 

Die Radstrecke war der Hammer aber auch traumhaft schön. Nach 100m (Ja Meter und nicht Kilometer!) flacher Ausfahrt aus der Wechselzone wartete der Erste Berg, 7 km lang mit 500 Höhenmetern. Oben angekommen hatte man einen wunderschönen Blick auf den See den konnte ich aber nicht richtig genießen, weil es doch recht wellig mit Rampen bis 23% Steigung weiterging (Die war aber nicht so lang und die Steigung stand auch auf der Straße damit man sie nicht übersah). Nach steiler Abfahrt auf schmaler, schlechter Straße kamen die einzigen flachen 2 km auf der Brücke über den Lac de Serre-Poncon. Die nachfolgenden 30 km waren recht einfach zu fahren leicht wellig mit 450 HM. 

Dann kam der wohl landschaftlich schönste Teil der Strecke. Nach Guillestre fuhr ich durch das Combe du Queyras. Links und recht steile Berghänge, die Straße war teilweise in den Felsen gehauen und 100m unter einem ein wilder Fluss, auf dem sich Kanufahrer richtig austoben konnten. Irgendwann ging es dann links ab und es folgte der sportliche, landschaftlich nicht weniger reizvolle, Höhepunkt der Radstrecke mit dem Col d`Izoard. Das ist ein Berg der Ehrenkategorie der Tour de France. Der Pass befindet sich auf 2360 m Höhe und wenn ich nicht gewusst hätte, das ich erst die hälfte der Radstrecke hinter mir hatte, hätte ich oben angekommen vielleicht die wunderschöne Aussicht genießen können. 

Auf der langen ca. 20 km langen Abfahrt konnte ich mich für die noch folgenden 70 km mit Gegenwind und richtig fiesen Anstiegen erholen. Ganz besonders gemein waren die letzten 10 km. Nachdem ich schon in Embrun angekommen war und die Lauftrecke nur 10m von mir entfernt war ging es noch mal sau steile nicht enden wollende 6 km Bergauf. Hierauf hatte ich mich aber Dank eines Tipps von Ludwig Sattler schon geistig Vorbereitet. 

Danach durfte ich endlich auf den recht welligen Marathonkurs. Der hatte aber nur lächerliche 400 Höhenmeter und war relativ unspektakulär bis auf eine ganz fiese Bergabwelle ca. 1,5 km vor dem Ziel. Spätestens da wollen die Beine nur noch krampfen. 

Im Ziel gab es leider nichts zu essen. Ich hatte auch nicht so den riesen Hunger. 12 Squeezy- Gels und ein paar Bananenstücke beim Marathon machten es möglich. Nach längerer Erholung auf einem Feldbett massierten mich noch zwei Helfer. Ich hatte versucht mich zu erheben und bekam ziemlich starke Krämpfe in den Beinen. Überaus Glücklich noch zu leben aas ich später im Finishershirt die größte Pizza meines Lebens und fuhr dann ins Hotel.

Wer nichts gegen körperliche und seelische Herausforderungen hat und neue Schmerzqualitäten entdecken will ist beim Embrunman genau richtig. Die Langdistanz ist ein preisliches Schnäppchen, sie kostet nur 140 Euro und da man doch etwas länger unterwegs ist hat man quasi mehr für sein Geld. Außerdem gibt es zwei T-shirts, aber leider keine Urkunde. Für die jetzt motivierten kenne ich auch ein ganz nettes Hotel.

Für den Wettkampf sind Schwindelfreiheit und eine Triathlonlizenz unverzichtbar. Mit einem 27 er Ritzel lässt sich die Radstrecke auch gut mit einer Zweifachkurbel bewältigen. Man sollte aber nicht nur gut berghoch, sondern auch bergab fahren können. Die Straßen sind teilweise richtig schlecht und sehr schmal. Die Abfahrten sind bis auf den Col d`Izoard sehr gefährlich. 

Alles in allem fand ich den Wettkampf echt klasse, war ein super Tag für mich und ein tolles Abendteuer. Am Ende Danke ich noch unserem Präsidenten der mir sein kostbares Hinterrad geliehen hat.

Euer Stephan