„Wenn (Marathon-) Läufer anfangen zu denken,
werden sie Triathleten“
Persönlicher Bericht zum IM-Ffm 2004 von Dirk Kornau.



„Wenn Schwimmer anfangen zu denken, werden sie Wasserballer.“ Dieses Motto ist sinnbildlich für mich. Mit 14 Jahren begann ich zu schwimmen und spielte bis zum 32. Lebensjahr Wasserball. Mit 32 Jahren folgte nach 3 Monaten Vorbereitung der 1. Marathon (4:09). Nach 13 weiteren Marathon fing ich wieder an zu „denken“. „Wenn (Marathon-) Läufer anfangen zu denken, werden sie Triathleten“ könnte man in diesem Fall sagen. Folgerichtig schloss ich mich Anfang 2003 den Triathleten des TCEC Mainz an und fing wieder regelmäßig an zu schwimmen. Der Plan: 2005, also mit 40 Jahren den Ironman Germany zu finishen. 

Meine Ungeduld und die Überzeugungskünste von Ingo, einem langjährigem Freund, der ebenfalls Wasserballer war und 2003 in 10:28 in Frankfurt in Ziel kam, machten diese Planungen schnell zunichte. Im Herbst 2003 entschloss ich mich für die Teilnahme am Ironman Germany im Jahr 2004. Hermann Aschwers Buch „Triathlon Training für Masters“ (also für Triathleten ab 40) sollte meine Grundlage für meine Zielzeit von 12:30 Stunden sein. Theoretisch sollten sogar 11:45 Stunden drin sein, aber diese imaginäre Zeit behielt ich für mich.



11. Juli Race Day


Letzter Check der Klamotten, die ich morgen anziehen/brauchen werde.

Um 22:00 Uhr liege ich im Bett. Der letzte Blick auf die Uhr um 0:30 Uhr. Um 3:00 Uhr holt mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. Eine Riesenportion Milchreis wandert in den flauen Magen und nach einem Schluck Kaffee klappts auch mit dem Gang auf die Toilette. 

 

Pünktlich um 4:00 Uhr geht’s im Tiefflug Richtung Langener Waldsee. Gregor fährt, ich döse und bin erstaunlich relaxt. Im Bike Park herrscht bereits reger Betrieb. Jeder checkt den Luftdruck und legt seine Wechselklamotten zurecht. Da es lediglich lausige 13 Grad hat, warte ich mit dem Neo und vermeide schon jetzt Eisfüße zu bekommen. Ingo, der quasi die „Schuld“ für meine IM Teilnahme hat, gibt letzte Tipps. „Such Dir ein paar gute Füße und schwimme Deinen Rhythmus“. Um 6:30 Uhr verlasse ich mit Neo, Kappe und Schwimmbrille den Bike Park. Auf dem Weg ins 18 Grad warme Wasser steht auf einmal Jürgen Zäck neben mir. Völlig relaxt wartet er auf seinen Seegang. Um 6:50 Uhr bin ich im Wasser. Da der Start erst um 7:11 Uhr erfolgt, habe ich das Gefühl langsam auszukühlen. Das hektische Einschwimmen der Anderen ignoriere ich und lasse mich ganz nach vorne an die Leine treiben. Mit anvisierten 58 Minuten halte ich das nicht für allzu frech. Mit dem Start kommen Erinnerungen wieder. Wie beim Anschwimmen beim Wasserball schwimmen alle wie die Berserker los. Ich nutze meine Erfahrungen und hebe alle 10 Züge meinen Kopf. Mein Schwimmstil ist unsauber und einige Mitschwimmer scheinen ebenfalls „gute Füße“ zu suchen. Meine Ellenbogen haben immer wieder Kontakt zu anderen Schwimmbrillen. Nach 10 Minuten schalte ich einen Gang runter und finde meinen Rhythmus: 10 Züge 2er Zug, Kopf raus, 10 Züge 3er Zug, Kopf raus. Klappt prima. Beim ersten Landgang sacken mir fast die Beine weg. Ich nehme mir vor, die zweite Runde meinen Beinschlag zu reduzieren. Die letzte Gerade vor dem Ausstieg schwimme ich bewusst locker und tatsächlich komme ich trotz dicker Beine gut den kleinen Anstieg hoch. 59 Minuten zeigt ein schneller Blick auf meine Uhr. Ich bin zufrieden. Im laufen ziehe ich Kappe und Brille aus und öffne den Neo. Zwischen dem ohrenbetäubenden Lärm höre ich meinen Vater, wie er meinen Namen ruft. Ohne Probleme finde ich mein Rad. Neo aus, Radlerhose und Trikot an, Brille und Helm auf, Schuhe an und ich schiebe mein Rad zur Wechselzone, die ich nach 5 Minuten verlasse. 

 

Die ersten Kilometer werde ich durchgereicht, aber damit habe ich gerechnet. Ich fahre ganz ruhig und fange sofort an zu essen und zu trinken. Es ist saukalt. In der Frankfurter City ärgere ich mich über den schlechten Asphalt. In der ersten Penalty Box in Bergen-Enkheim dürfen sich die ersten Biker „ausruhen“. Mein Schnitt pendelt sich bei 33 km/h ein und mir geht’s prima. Auf der ersten Runde leere ich meine große Pulle mit Maltodextrin und trinke jede halbe Stunde im Wechsel Wasser und Iso. Jede Stunde zusätzlich ein Stück Banane und einen Powerbar. In der zweiten Runde regnet es teilweise und der Schnitt sinkt auf 30 km/h. Den will ich auf jeden Fall halten. Bad Vilbel ist Gänsehaut pur. Ich sehe Ingo und freue mich auf die Frankfurter Skyline. Die letzten Kilometer gehe ich bewusst locker an und bin erstaunt, wie gut ich vom Rad steige und laufen kann. 

 

Nach 5:57 Stunden halte ich meinen Sack mit den Laufklamotten in der Hand. Ein supernetter Helfer kümmert sich um mich. Ich fühle mich klasse. Ich creme meine Füße mit Melkfett ein, schnüre meine New Balance in aller Ruhe, checke meine Brustwarzenpflaster, ziehe meine Laufhose und mein Vereintrikot über und verlasse gehend das Wechselzelt nach 4:21 Minuten. Ich beginne sehr langsam und genieße die Athmosphäre. Dass 42 km vor mir liegen ist kein Problem. Ich habe 14 Marathons gelaufen und fühle mich sich und gut. Auf der anderen Mainseite bekomme ich das 1. Bändchen. Ein gutes Gefühl. Ich beobachte die Zuschauer und höre immer wieder meinen Namen. Es gibt kaum eine Passage, wo keine Zuschauer stehen. Nach 21 km gönne ich mir eine planmäßige Geh-, Trink- und Essenspause. Alle 30 Minuten verdrücke ich ein Squeezy und spüle mit Wasser nach. Meine Beine sind müde, aber der Kopf ist klar. Es folgen das rote und das gelbe Bändchen. Ingo läuft bei km 40 einige Meter mit und ist ganz aus dem Häuschen: „Korni Du schaffst es!“ Im Zielkanal werden die Beine weich und die Augen feucht. 11:36 zeigt die Zieluhr! 12:30 Stunden waren mein Ziel. Meine Glücksgefühle lassen all die Strapazen vergessen. Ich sehe Conny und Gregor. Wahnsinn. Sie haben es tatsächlich geschafft, ganz vorne im Zielbereich zu stehen. Ich koste jede Sekunde aus und es geht mir blendend.