BERICHT Inferno

von Stephan Schweiger

Bilder finden sich hier.

Quälereien besonderer Art 2

Warum der Inferno, Inferno heißt


Am 20.08.2005 beging ich einen schweren Fehler, ich nahm zum zweiten Mal am legendären Inferno „Triathlon“ in der Schweiz teil.
Schon mal bei einem Triathlon Schnee gesehen?
Ich jetzt schon.

Ich hätte es ja eigentlich aus 2003 wissen müssen: Bei diesem Triathlon kann alles passieren.

Der Inferno- „Triathlon“ findet Jährlich im Schweizer Berner Oberland statt. Jedes Jahr werden 250 Einzelathleten in den Thuner See gelassen um nach 3,1 km Schwimmen (0 HM) 92km Rennrad (2100HM) 30km MTB (1300HM) und 25 km Berglaufqual (2100 HM) den Schildhorngipfel auf 2970m ü. NN zu stürmen.
Es gibt auch ca.250 Staffeln aber die dürfen „nur“ bis Mürren ca.1600m ü. NN laufen (die verpassen das „Beste“).

Der See ist eigentlich, wenn es nicht stürmt wie 2003, ganz schön zu schwimmen. Dieses Jahr war er mit 17 Grad Wassertemperatur nur ein bisschen kalt, aber da es den ganzen Tag über der wärmste Ort für mich war hatte ich kein Problem mit ihm. Beim Rennrad geht es erstmal auf den Beatenberg, der ist aber nur 1200m hoch. Das war auch noch sehr angenehm für mich, da ich mit Winterhandschuhen, Überschuhen, Armlingen 3/4 Hose und Regenbekleidung so rein Bekleidungstechnisch doch recht gut ausgerüstet war. Am Berg wurde einem nach dem Schwimmen auch richtig schön warm und der kühle Nebel machte mir dank Regenjacke nichts aus.

Dann kam die erste Regennasse Abfahrt nach Interlaken. Hier musste man kurz vom Rad steigen und unter dem Bahnhof durchlaufen. Zur Belohnung darf man sich danach 30 km auf flacher Strecke ausruhen und seelisch darauf vorbereiten, dass am ersten Hammer der Wettkampf erst richtig beginnt.
Der erste Hammer heißt Große Scheidegg 17 km Anstieg (ca. 1400HM). O.k. es wird zwischendrin nach 45 min nur Berg hoch (= die Hälfte) für ca. 1-2km flach aber das reicht genau um den Bergrhythmus zu brechen. Für Ortskundige: nach der Schwarzwaldalp ist der Spaß vorbei.

Es folgt eine sau fiese Rampe (Zitat eines Athleten: Wer hat die Straße auf die Wand gemahlt?!). Hier schieben auch die ersten Leute. Danach darf man weiter steil aber nicht fies den Berg erklimmen. Nachdem ich nach 1.28h nur Bergauf (was eine ganz gute Zeit ist) endlich den Pass erreicht hatte kam die erste Psychoprobe.

Die steile Abfahrt nach Grindelwald ist trocken schon recht schwierig, die Straße ist nicht befestigt es kommen einem auch am Wettkampftag Postbusse die nur Hupen und nicht bremsen entgegen, die Straße ist ca. 3m breit. Nein, dieses Jahr reichte das nicht, es musste auch noch nass sein. Ich verbremste mich natürlich in der zweiten Kurve, mein Hinterrad stand quer, und ich testete die Mountainbikequalitäten meines Rennrades. Glücklicherweise ging es Richtung Bergwand und es war auch noch Platz zur Wand, an einer anderen Stelle währe ich schneller als gewollt in Grindelwald gewesen.

Nach ca. 20 min Dauerbremsen erreichte ich endlich die Wechselzone zum MTB. Ohne Winterhandschuhe währen mir bestimmt di Hände abgefallen. Mit kalten Beinen auf das MTB steigen und direkt in den zweiten Hammer rein zu fahren (der Berg heißt kleine Scheidegg ist aber höher als die Kleine) ist echt scheiße. Im kleinsten Gang juckelte ich eine Ewigkeit Bergauf. Nach ca. 20 min sah ich auf meinen Höhenmesser und hab beinah angefangen zu weinen. Ich hatte erst 250 oder 300Hm zurückgelegt, noch 1000m vor mir. Den Rest vom Berg hab ich noch irgendwie mit starrem Blick und abgeschalteten Hirn geschafft. Am Ende wird es so Steil das bis auf ein paar Profis alle Schieben, geteiltes Leid ist halbes Leid.

Pünktlich auf dem Pass begann es zu Schütten. Das war kein Spaß. Die Abfahrt war extrem steil, kurvig, mit Wurzen und das ganze als Schlammschlacht. Sattel runter stellen war Pflicht. Was ein Glück hatte ich ein Fully und Winterhandschuhe. Meine Schutzbrille war nicht zu gebrauchen also fuhr ich ohne. So was hab ich noch nicht erlebt, aber mir hat es echt Spaß gemacht. Ich hatte sehr gute Reifen drauf und so kam ich nur ins rutschen wenn ich das wollte.

In der Wechselzone zum Laufen sah ich aus wie ein in Schlamm gesuhltes Wildschwein. Dann begann das was den Inferno zum Inferno macht: Der Berglauf

Der war dieses Jahr echt Hölle. Nachdem ich 2003 fast vom Blitz erschlagen wurde und nur bis Birg kam, wollte ich dieses Jahr trotz Angst vor Gondeln und Unwettern endlich auf Diesen verdammten Schildhorngipfel einlaufen. Der Berglauf ist so Steil, das kann man nur nachempfinden wenn man mal da hoch gelaufen ist. Nach Mürren geht es fast senkrecht eine Skipiste hoch. Auf 8 km warten ca.1300 Hm, über Schlamm Wurzeln Geröll und Bäche. Am Ende soll es so Steil werden das man ins Ziel mehr oder weniger krabbelt.

Mein Rennverlauf ist schnell beschrieben: unter Qualen schleppte ich mich Schritt für Schritt diesen Monsteranstieg im Strömenden Regen hoch. Die Höhe tat Ihr Übriges, ich war völlig im A…. Dann begann mein Persönliches Drama, bei ca. 2200 ü. NN Schneeregen bei 2400 ü. NN Schnee. In der Vorletzte Verpflegungsstation (wie schon 2003) sagt ein Helfer zu mir: „Das Ziel ist in Birg(2645m ü. NN)“. Wieder nichts mit Gipfel, Scheiße. Wenigstens hat er es netter ausgedrückt als 2003, da hieß es nur Rennabbruch und ich soll so schnell es geht an die Seilstation Birg laufen.

2km und 350 Hm vor dem Ziel war wieder Schluss für mich.

Auf dem Weg zur Station fing es immer stärker an zu schneien und mir war echt sau kalt. In der Station bin ich fast erfroren. Am Anfang wollte ich eine Decke habe bekam aber keine, nachdem Ich anfing zu Zittern hatte ich Drei. Ich glaube die Fotos sprechen für sich. Für das Wetter konnte keiner was. Ich bin nicht so enttäuscht wie 2003. Ich habe auch unterwegs jemanden getroffen dem es 2003 genauso ging wie mir. Er wollte dieses Jahr auch auf das Schildhorn und war dieses Jahr eine Minute vor mir in Birg. Trotzdem war es ein sau geiles Erlebnis, obwohl das ganze schon echt grenzwertig war. Ans aufgeben habe ich nie Gedacht, daher bin ich mit meiner Leistung sehr zufrieden.

Aber auf ein Drittes Mal Inferno mit der Wahrscheinlichkeit wieder nicht ins Ziel zu kommen hab ich im Moment keine Lust.

Aber ich bin ja noch jung.

Vielen Dank an Christoph für die Betreuung und seine Winterhandschuhe.
Euer Stephan